Trading Strategien entwickeln - Schritt 3: Stop Loss und Take Profit

Stop Loss und Take Profit mit Hilfe der Statistik ermitteln

Im letzten Blog-Artikel haben wir besprochen, wie wir eine Statistik erstellen und worauf wir dabei achten sollten.

 

Diese Statistik gibt uns viele Vorteile. Wir wissen einfach, was der Markt in der Vergangenheit häufig getan hat. Aus diesen Vorteilen lässt sich Kapital schlagen. Wir müssen den Vorteil also in konkrete Trading Strategien umwandeln. Jede Trading Strategie braucht einen Punkt, an dem es schlau ist, Verluste zu begrenzen und wieder aus dem Markt zu gehen. Wir müssen also den klügsten Stop Loss ermitteln.

 

Wir haben ja schon unsere ersten Regeln festgelegt. Darunter auch erste Punkte, in welchem Zeitraum unsere Trading Strategie letztendlich handeln soll. Wir haben eine erste Theorie, wie unsere Trading Strategie funktionieren soll.

 

Ein vereinfachtes Beispiel:

Wir haben herausgefunden, dass der DAX ab 8 Uhr nachdem er sich 20 Punkte short oder Long entfernt hat, auch häufig in diese Richtung weiterläuft.

Wir wissen das, weil wir darüber eine aussagekräftige Statistik erstellt haben.

 

Natürlich kann es auch sein, dass sich der Markt erst einmal wieder in die andere Richtung dreht und wir erst mal im Minus landen. Wie oft das passiert und wie weit wir ins Minus laufen, muss also auch in unserer Statistik festgehalten sein.

Aufgrund dieser Infos lässt sich der klügste Stop Loss ermitteln.

In der folgenden Grafik ist ein vereinfachtes fiktives Beispiel, welches zeigen soll, wie weit der Markt ins Minus gelaufen ist, bis er wieder gedreht hat und in unsere Richtung gelaufen ist.

Auf der vertikalen Y-Achse sieht man wie weit wir ins Minus gelaufen sind. Die horizontale X-Achse ist einfach die Anzahl der Fälle, die wir untersuchen.

Wir haben also 12 mal getestet, wie weit wir ins Minus laufen.

Unser Ziel ist es, dass unser Stop Loss nicht zu früh gerissen wird, obwohl die Theorie unserer Strategie aufgegangen wäre.

 

Nichts ist schlimmer, als dass wir recht hatten, aber unser Stop Loss zu nah gesetzt wurde.

Wir können dem entgegenwirken, indem wir einfach schauen, wie weit sich der Markt am häufigsten ins Minus bewegt und dann dementsprechend unseren Stop Loss setzten.

 

Gleichzeitig wollen wir verhindern, dass wir zu große Verluste machen, wenn die Theorie der Strategie nicht funktioniert.

 

In unserer Beispiel-Grafik lässt sich klar erkennen, in welchem Bereich sich die meisten Trades ins Minus bewegen.

Im Bereich unter der schwarzen Linie sind 10 von 12 Trades vorzufinden. Die anderen 2 sind uns zu weit entfernt und würden zu hohe Verluste mit sich führen.

Wir sollten unseren Stop Loss also so setzen, dass die 10 Trades noch nicht zum Verlust führen.

In diesem Beispiel legen wir unseren Stop Loss also 20 Punkte von dem Punkt entfernt, an dem wir schauen, was passiert. (Das kann der Punkt sein, an dem wir einsteigen, muss er aber nicht zwingend)

 

Das wäre also ein sehr vereinfachtes Beispiel. In Wirklichkeit haben wir natürlich viel mehr Daten zu Verfügung, da wir mehr Tests durchführen sollten. Wenn wir aber Excel zur Hilfe nehmen, dann haben wir schnell die Möglichkeit, die Daten auszuwerten und zu sehen, wo der Stop Loss am klügsten gelegt werden sollte.

 

Die selbe Methode kann man auch für den Take Profit hernehmen. Man schaut sich also auch hier in der Statistik an, wie weit der Markt in unsere Richtung häufig läuft und bestimmt daraufhin, welcher Take Profit mathematisch am klügsten wäre.

Der Erwartungswert muss positiv sein!

Fiktives Beispiel: Wir haben uns die Historie einer Strategie angeschaut und haben 1000 Tests untersucht.

Wir wissen unseren Einstieg und wissen, dass unser Stop Loss fix bei 20 Punkten Abstand vom Einstieg entfernt ist. Weiterhin wissen wir, wie wahrscheinlich es ist, dass unser Take Profit bei +10, +20 und +30 erreicht wird:

 

-Wahrscheinlichkeit, ob der Stop Loss bei -20 Punkten oder der Take Profit bei +10 Punkten erreicht wird: 40/60  

40% von 1000 Tests: 400 ; 400x20= 8.000 VERLUST; 600x10= 6.000 GEWINN

6.000 GEWINN - 8.000 VERLUST = 2.000 VERLUST = NEGATIVER ERWARTUNGSWERT

Berechnung Erwartungswert: 0,4x(-20) + 0,6x(+10) = -2

 

-Wahrscheinlichkeit, ob der Stop Loss bei -20 Punkten oder der Take Profit bei +20 Punkten erreicht wird: 45/55

45% von 1000 Tests: 450 ; 450x20= 9.000 VERLUST; 550x20= 11.000 GEWINN

11.000 GEWINN - 9.000 VERLUST = 2.000 GEWINN = POSITIVER ERWARTUNGSWERT

Berechnung Erwartungswert: 0,45x(-20) + 0,55x(+20) = +2

 

-Wahrscheinlichkeit, ob der Stop Loss bei -20 Punkten oder der Take Profit bei +30 Punkten erreicht wird: 50/50

50% von 1000 Tests: 500 ; 500x20= 10.000 VERLUST; 500x30= 15.000 GEWINN

15.000 GEWINN - 10.000 VERLUST = 5.000 GEWINN = POSITIVER ERWARTUNGSWERT

Berechnung Erwartungswert: 0,5x(-20) + 0,5x(+30) = +5

 

Wir sollten also nicht den Take Profit bei +10 Punkten legen, denn langfristig wird sich dieser Ausstieg nicht lohnen. Man muss immer erkennen, wann ein Ausstieg mathematisch sinnvoll ist.

 

Deshalb sind Teilausstiege oft nicht von Vorteil. Vor Allem bei Trendfolge-Strategien werden zu frühe Gewinnmitnahmen zu langfristigen Verlusten führen.

 

Wie das ganze in einer konkreten Strategie aussieht, zeige ich dir kostenlos im Videokurs der DAX-Strategie.

Hier geht's zum nächsten Schritt, wie man eine Trading Strategie entwickelt.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0